19. - 26.4. und 26.4. - 03.05.2026
KULTURREISEN NEAPEL/AMALFIKÜSTE APRIL/MAI 2026

Die beiden Reisen des Vortragsvereins Oberwallis mit zwei Gruppen nach Neapel und an die Amalfiküste im April/Mai 2026 waren erlebnisreiche Kulturreisen in das Herz Süditaliens, die weit über das übliche Besichtigungsprogramm hinausgingen. Mit einem Hotel in Vico Equense als strategischem Ausgangspunkt am azurblauen Golf von Neapel gelegen, tauchten die Reisegruppen in eine Welt ein, in der sich antike Geschichte, barocker Prunk und die lebendige italienische Gegenwart auf engstem Raum verbinden. Vom Erkunden der verwinkelten Gassen Sorrentos bis hin zur dramatischen Küstenlandschaft bot jeder Tag neue Fazetten einer Region, die seit jeher Künstler wie Johann Wolfgang von Goethe in ihren Bann zog. Goethes Charakterisierung Neapels als Ort einer trunkenen Selbstvergessenheit wurde für die Gruppen greifbar, ganz im Sinne des Zitats «Vedi Napoli e poi muori», das die Stadt als Gipfel irdischer Schönheit beschreibt. Die Reisen waren geprägt von der spektakulären Natur der Küste, deren pastellfarbene Dörfer wie Positano und Amalfi wie Schwalbennester an den steilen Klippen kleben, und dem tiefen Blau des Meeres, das die Teilnehmer immer wieder aufs Neue faszinierte. Ein ganz besonderes Juwel im Programm war der Ausflug zur legendären Insel Capri. Neben dem Besuch der eleganten Augustus-Gärten und dem Bummel über die berühmte Piazzetta bildete die Bootsfahrt rund um die Insel einen emotionalen Höhepunkt der Woche. Vom Wasser aus offenbarte sich die ganze dramatische Schönheit der Kalksteinfelsen, die bis zu 600 Meter steil aus dem tyrrhenischen Meer emporragen. Die Fahrt führte vorbei an versteckten Grotten und bizarren Felsformationen. Diese Perspektive vom Meer aus liess die Gruppen die Exklusivität und die wilde Natur Capris auf eine Weise spüren, wie sie vom Land aus kaum möglich gewesen wäre, ein Moment des puren Dolce Vita, der den Geist der Reise perfekt einfing. Einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der Reisen leistete der lokale Führer Vincenzo, der sich als wahrer Meister seines Fachs und profunder Kenner der neapolitanischen Seele erwies. Seine Führungen waren keine trockenen Vorträge, sondern lebendige Erzählkunst, die die Gruppen auf der ganzen Reise fesselte. Vincenzo verstand es meisterhaft, das vielschichtige Wesen der Stadt und seiner Umgebung zu erklären. Er zeichnete ein differenziertes Bild der Neapolitaner, beschrieb ihre schlagfertige Mentalität, ihren tiefen Fatalismus angesichts der ständigen Präsenz des Vesuvs und ihre unnachahmliche Fähigkeit, das Leben im Moment zu geniessen. Er erläuterte den Teilnehmern, warum Neapel keine Stadt ist, die man einfach nur besucht, sondern ein Zustand, den man fühlen muss, zwischen dem bunten Treiben in der pulsierenden Stadt, der spirituellen Ruhe im Kloster Santa Chiara und der kulinarischen Hingabe bei der Zubereitung einer perfekten Pizza Margherita. Seine Ausführungen über den Vesuv machten zudem deutlich, wie sehr dieser schlafende Riese die Geologie, den fruchtbaren Boden und den Charakter der Menschen seit Jahrtausenden prägt.
In Pompeji erreichte die Führung durch Vincenzo einen weiteren Höhepunkt, als er die Gruppen durch die Ruinenstadt leitete. Es gelang ihm, die Zeit um zwei Jahrtausende zurückzudrehen und das Leben vor dem katastrophalen Ausbruch des Jahres 79 n. Chr. zu rekonstruieren. Anstatt sich nur auf archäologische Daten zu beschränken, erzählte er vom pulsierenden Alltag in den Strassenküchen, vom politischen Geplänkel auf dem Forum und von den privaten Hoffnungen der Bewohner, deren Spuren in den kunstvollen Fresken und Mosaiken bis heute überdauert haben. Man sah die Stadt unter seiner Anleitung förmlich wieder auferstehen; die antiken Läden und Wohnhäuser wirkten plötzlich so vertraut, als hätten die Besitzer sie erst vor wenigen Stunden verlassen. Einen glanzvollen Kontrast zur Antike bot der Besuch des Königspalastes von Caserta, dem „italienischen Versailles“. Dieser gigantische Barockbau der Bourbonen überwältigte die Gruppen mit seinen schieren Dimensionen und seinem Prunk. Vincenzo führte durch die prachtvollen Prunkgemächer und die monumentale Ehrentreppe, wobei er die politischen Ambitionen der damaligen Herrscher packend erläuterte. Ein besonderes Erlebnis war der weitläufige Schlossgarten: Über drei Kilometer erstreckt sich die zentrale Achse mit ihren kaskadenartigen Wasserfällen, mythologischen Brunnenfiguren und dem verträumten Englischen Garten. Die harmonische Verbindung von Architektur und Natur liess den Geist des 18. Jahrhunderts lebendig werden und bot eine beeindruckende Kulisse für die Reisegruppen. Ein weiterer kultureller Meilenstein war der Besuch der archäologischen Stätte von Paestum. Hier, in der einsamen Weite des Cilento, stehen drei der am besten erhaltenen griechischen Tempel der Welt. Der Führer Angelo führte die Gruppen zu den majestätischen Heiligtümern der Hera und des Poseidon, deren gewaltige dorische Säulen seit über 2.500 Jahren dem Wind und Wetter trotzen. Die schiere Grösse und die mathematische Harmonie dieser Bauwerke, die schon Goethe in Erstaunen versetzten, hinterliessen einen tiefen Eindruck von der architektonischen Meisterschaft der Antike. Die Vertiefung dieses Erlebnisses fand im dazugehörigen Nationalmuseum von Paestum statt. Unter Angelos fachkundiger Erläuterung wurden die archäologischen Funde zu Zeugen einer längst vergangenen Zivilisation. Das absolute Glanzstück der Sammlung ist das weltberühmte Tauchergrab. Die Gruppe bestaunte die einzigartigen Grabmalereien aus der Zeit um 480 v. Chr., die einen Jüngling zeigen, der mutig in die Fluten springt, ein symbolträchtiges Bild für den Übergang vom Leben in den Tod. Angelo erklärte die kunstgeschichtliche Bedeutung dieses seltenen Beispiels griechischer Wandmalerei und brachte den Teilnehmern die religiösen und philosophischen Vorstellungen jener Zeit näher. Die Kombination aus den monumentalen Tempeln im Freien und den prächtigen Kunstschätzen im Museum ermöglichte ein umfassendes Verständnis für das Erbe der «Magna Graecia». Abgerundet wurde das Programm durch kulinarische, sinnliche Erlebnisse, welche die theoretischen Ausführungen perfekt ergänzten. Die Besichtigung der traditionsreichen Pasta-Manufaktur in Gragnano verdeutlichte das handwerkliche Erbe der Region, während die Mozzarella-Verkostung auf einem Agriturismo im Cilento die enge Verbindung zur Erde und zur landwirtschaftlichen Tradition aufzeigte. Ob bei der Bootsfahrt rund um Capri, beim Staunen über die unermesslichen Dimensionen des Schlosses von Caserta oder beim gemeinsamen Abendessen in geselliger Runde, die beiden Reisen des Vortragsvereins Oberwallis waren eine harmonische Komposition aus Bildung, Genuss und Gemeinschaft. Dank der perfekten Organisation und Vincenzos leidenschaftlicher Vermittlung kehrten die Teilnehmer mit einem Koffer voller Eindrücke zurück, die weit über das Visuelle hinausgingen und ein echtes Verständnis für den Geist Kampaniens weckten.

































