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Anlass 3.3.2026

PROF. DR. TOBIAS HÄBERLEIN

FREMDGESTEUERT? WIE KI UNSERE FÄHIGKEIT ZUM DENKEN UND UNSERE URTEILSKRAFT HERAUSFORDERT

 

Professor Häberlein zeigte zu Beginn seines Referats die Entwicklung der Software von grundlegender logischer Einfachheit zur heutigen hochentwickelten Programmierung bis zur künstlichen Intelligenz, die sich selbst programmiert, weiterentwickelt und sich verselbständigt. Die gegenwärtige Debatte über Künstliche Intelligenz erschöpft sich oft in Fragen technischer Effizienz. Bei näherer Betrachtung jedoch offenbart sie eine tiefere Krise des Humanen. Um eine tragfähige Kritik der KI zu entwickeln, müssen wir begreifen, dass sie längst nicht mehr bloss Werkzeug ist. Sie wird zunehmend zu einem wichtigen Element unserer Welt, zu einem System, das die Rolle eines Dialogpartners einnimmt. Diesen Dialog müssen wir führen. Doch wir sollten ihn mit den Stimmen jener Denker führen, die Freiheit, Macht und Kritik in ihren Grundstrukturen untersucht haben. Den Ausgangspunkt bildet die Analyse von Hannah Arendt (1906 - 1975). Für Arendt ist das Wesen des Menschen untrennbar mit dem Handeln verbunden, mit der Fähigkeit zur Natalität, also dem Vermögen, durch spontane Initiative einen neuen Anfang in die Welt zu setzen. KI-Systeme hingegen operieren innerhalb statistischer Vorhersagbarkeit. Sie ersetzen politisches Handeln zunehmend durch algorithmisch vorbereitete Entscheidungsketten und durch Verwaltung. In einer Welt, in der Algorithmen Entscheidungen strukturieren, droht eine neue Form der Gedankenlosigkeit, wie Arendt sie bereits in den Ursprüngen totalitärer Herrschaft erkannte: die Isolation des Einzelnen. Wo Arendt ein „Denken ohne Geländer“ forderte, bietet die KI ein neues Geländer an, eine künstliche Stütze, die das Risiko des eigenen Urteils mindert und damit den öffentlichen Raum als Ort lebendiger Urteilskraft auszuhöhlen droht.

Diese Verschiebung korrespondiert mit der Machtanalyse von Michel Foucault (1926 - 1984). Foucault zeigte, dass Wissen niemals neutral ist, sondern stets in Machtverhältnisse eingebettet bleibt. Die KI formt heute eine neue Episteme, jenes Denkens, das bestimmt, was als wahr, plausibel oder überhaupt sagbar gilt. Wir erleben einen epistemischen Bruch: menschliche Intuition wird zunehmend durch datenbasierte Wahrheit ersetzt. In dieser Perspektive erscheint die KI als eine Art digitale Übersicht, die Verhalten nicht durch offene Gewalt, sondern durch einfühlsame Normierung lenkt. Verfahren wie «Reinforcement Learning from Human Feedback» vertiefen diese Dynamik, indem menschliches Feedback zur Stabilisierung normativer Erwartungen genutzt wird. Foucaults mögliche Antwort wäre Widerstand durch Selbstgestaltung. Aus der Perspektive Friedrich Nietzsche’s (1844 - 1900) könnte die KI-Hörigkeit als ein später Triumph der Sklavenmoral erscheinen. Die Maschine wird zum Werkzeug des „letzten Menschen“, der die Anstrengung der Selbstüberwindung meidet. Wahre Schöpfung entsteht für Nietzsche nur im Widerstand. Die KI hingegen glättet Hindernisse. Sie erzeugt, was man als statistische Prothese des Ichs bezeichnen könnte: eine Identität, die uns von aussen zugeschrieben wird und uns in der Narkose algorithmischer Bestätigung verharren lässt. Während Nietzsche zur Selbsttransformation aufruft, reproduziert der Algorithmus das Immergleiche. Schliesslich verändert diese technologische Struktur unsere Wahrnehmung selbst, ein Prozess, der sich mit den Überlegungen von Paul Watzlawick (1921 - 2007) beschreiben lässt. Sein berühmtes Axiom, dass man nicht nicht kommunizieren kann, erreicht im Dialog mit der Maschine eine paradoxe Grenze. Die Interaktion mit KI erzeugt zirkuläre Kommunikationsräume: Filterblasen, in denen wir zunehmend in einer Wirklichkeit zweiter Ordnung leben, einer Konstruktion, der wir reale Geltung zuschreiben, obwohl sie lediglich die statistische Reflexion der Wirklichkeit erster Ordnung ist. So entsteht die Gefahr einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Die Maschine sagt uns, wer wir sind, bis wir es schliesslich selbst glauben. Herzlicher Dank gebührt dem Referenten für diese wichtige und hochaktuelle Darstellung kritischer Punkte der immer wichtiger werdenden Künstlichen Intelligenz.

 


 

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