SafariScreenSnapz031.jpgCornwall3.jpgSafariScreenSnapz001.jpgRumaenien.jpgBildschirmfoto 2016-06-05 um 18.41.03.jpgSafariScreenSnapz006.jpgGriechenland 2024.pngPortugal1.jpgPolen 2014.jpgSafariScreenSnapz002.jpgZentralschweiz 2013.pngSafariScreenSnapz007.jpgSafariScreenSnapz022.jpgSafariScreenSnapz0020.jpgShakespeare.jpgAuvergne 2025.pngSafariScreenSnapz009.jpgSafariScreenSnapz010.jpgSafariScreenSnapz013.jpgGraubünden 2024.pngCornwall2.jpgSafariScreenSnapz004.jpgSafariScreenSnapz018.jpgMarken_2015.jpgSafariScreenSnapz016.jpgPortugal2.jpgSafariScreenSnapz0019.jpgFinderScreenSnapz001.jpgSizilien 2023.pngAndalusien1.pngThüringen 2022 .pngSafariScreenSnapz003.jpgSafariScreenSnapz008.jpgSafariScreenSnapz015.jpgSafariScreenSnapz014.jpg

Anlässe 20. und 27.1.2026

DR. PHIL. JAKOB KNAUS 

FRANZÖSISCHE ORCHESTERMUSIK

 

KnausDas Referat bot eine facettenreiche Analyse der französischen Orchesterkultur über drei Jahrhunderte. Ein besonderes Qualitätsmerkmal war dabei, dass sämtliche besprochenen Werke à fond mit präzisen Musikbeispielen unterlegt wurden, wodurch die theoretischen Ausführungen für das Auditorium unmittelbar klanglich lebendig und nachvollziehbar wurden. Den historischen Auftakt bildete das Schaffen von Jean-Philippe Rameau (1683–1764), dessen Air des Incas aus dem Ballett Les Indes galantes die barocke Prachtentfaltung repräsentiert. Im direkten Vergleich mit der Don Quichotte-Ouvertüre von Georg Philipp Telemann (1681–1767) wurde eine zentrale musikgeschichtliche Erkenntnis deutlich: In dieser Epoche ist die Nationalität der Musik noch nicht eindeutig zu unterscheiden. Es herrschte ein grenzübergreifender europäischer Stil, der die spezifische Herkunft der Komponisten hinter einer gemeinsamen barocken Tonsprache verschleiert. Der Weg zur klassischen Form wurde durch François-Joseph Gossec (1734–1829) geebnet. Während seine Sinfonie op. 4/1 noch die frühe, strenge Bindung an die Sonatenform dokumentiert, markiert seine Sinfonie in B-Dur aus dem Jahr 1785 den endgültigen Anschluss an die sinfonische Meisterschaft seines Zeitgenossen Joseph Haydn (1732–1809). Über die dramatischen Impulse von André-Ernest-Modeste Grétry (1741–1813), beispielhaft an seinem Guillaume Tell dargelegt, erreichte das Referat die musikalische Romantik in Gestalt von Hector Berlioz (1803–1869). Die Analyse der Symphonie fantastique (1830) bildete einen Höhepunkt: Dr. Knaus verdeutlichte Berlioz’ visionäres Genie insbesondere auch durch die parodistische Deformation des Dies irae. Die klanggewaltige Demonstration, wie die heilige Totensequenz im „Hexensabbat“ ins Groteske verzerrt wird, veranschaulichte den Bruch mit traditionellen ästhetischen Normen.

Den Übergang zur Moderne spannte Emmanuel Chabrier (1841–1894), dessen Rhapsodie España mit spanischen Tanzrhythmen und mit ihrer Vitalität bereits impressionistisch beeinflusst ist. Bei Claude Debussy (1862–1918) vollzog sich schliesslich die impressionistische Wende: Sein Prélude à l’après-midi d’un faune wurde als Meilenstein präsentiert, der mit den sinfonischen Gesetzen des 19. Jahrhunderts bricht und eine neue orchestrale Sinnlichkeit erschafft. Ein weiterer Fokus lag auf Maurice Ravel (1875–1937) und seinem weltberühmten Boléro. Hier wurden neben dem Crescendo, das konsequent vom fast unhörbarem Pianissimo bis zum gewaltigen Fortissimo führt, auch die strukturellen Feinheiten der zwei alternierenden Melodien analysiert und ebenfalls die teils unterschiedlichen Interpretationsansätze von Dirigenten wie Toscanini, Ansermet und Ravel hörbar gegenübergestellt. Den Abschluss bildete die Ästhetik der Gruppe Les Six. Bei Darius Milhaud (1892–1974) zeigen sich exotische Einflüsse in Le bœuf sur le toit sowie den Saudades do Brasil. Den Schlusspunkt setzte Francis Poulenc (1899–1963) mit der Suite Française und dem musikalischen Märchen Babar der kleine Elefant. Dank der fundierten Erläuterungen und der exzellenten Auswahl der Hörbeispiele wurde die Entwicklung der französischen Orchestermusik eindrücklich dargelegt. Ein herzlicher Dank gilt dem Referenten für diesen inspirierenden Streifzug. 

 


 

Vortragsverein